Auf der Walz – eine Tradition behauptet sich

Interview mit Wandergesellin Rosi

Die Walz ist eine jahrhundertealte Tradition: Junge Handwerker:innen ziehen nach ihrer Lehre für mindestens drei Jahre und einen Tag durch die Welt – ohne Smartphone, ohne festen Wohnsitz und ohne sich dem Heimatort mehr als 50 km zu nähern. Eine bemerkenswerte Tradition in einer Gesellschaft, die kaum noch Verzicht kennt.

Auch bei uns klopfen immer wieder Wandergesellen und -gesellinnen an die Werkstatttür. Die letzten zwei Monate hat uns Rosi unterstützt. Wir haben mit ihr über die Walz gesprochen.

Rosi, seit wann bist du auf der Walz?
Ich habe meine Ausbildung zur Tischlerin 2023 abgeschlossen und bin seitdem unterwegs – also etwa zwei Jahre.

Was bedeutet es für dich auf der Walz zu sein?
Für mich ist es die größte Freiheit. Ich kann jeden Tag neu entscheiden, wohin ich gehe.  Manchmal plane ich Portugal und lande dann ganz woanders. Dieses „planlos unterwegs sein“ ist etwas Besonderes. Man sieht viele Orte, trifft nette Menschen und lernt die unterschiedlichsten Arbeitsweisen kennen.

Man muss also offen sein und auf Menschen zugehen?
Ja. Wenn ich Arbeit, eine Mitfahrgelegenheit oder einen Schlafplatz brauche, muss ich fragen. Oft sitze ich in vielen Autos am Tag, und die Leute wollen reden. Meistens sind es schöne Begegnungen und Gespräche, aber es kann auch anstrengend sein.

Hattest du hier so eine Begegnung?
Ja, ich wollte mir eigentlich Dornbirn anschauen, bin aber in Bregenz gelandet. Dort gab es eine Art Weinverkostung in den Geschäften. Eine Frau kam aus einem Schuhgeschäft sprach mich an und dann stand ich auch schon mit vier Leuten in einem Laden, unterhielt mich, trank Wein und lernte sogar ein Baby kennen, das denselben Namen trägt wie ich.

Wie ist es, ohne Handy unterwegs zu sein?
Ohne Ablenkung hat man viel Zeit für sich und seine Gedanken. Man ist auf der Walz oft allein, sitzt irgendwo, trinkt Kaffee und genießt den Moment und schaut was kommt. In der heutigen Zeit ist das wohl schon fast Luxus.

Was nimmst du aus deiner Zeit bei uns mit?
Erstmal möchte ich sagen, dass das Team hier wirklich nett war und mir die Zusammenarbeit leicht gemacht hat. Mir wurde erzählt, dass die Menschen im Bregenzerwald manchmal etwas länger brauchen, bis sie auftauen. Das kann ich nicht bestätigen.

Die Projekte, bei denen ich mitarbeiten konnte, waren sehr interessant. Besonders der Windfang in Zug war ein tolles Projekt. Ich konnte von der Fertigung bis zur Montage dabei sein. Auch wenn es am Ende etwas sehr kalt wurde.

Du warst jetzt zwei Monate bei uns? Bist du öfter so lange an einem Ort?
Nein, das war das erste Mal. Eigentlich wollte ich nur einen Monat bleiben, aber die Projekte von Anfang bis Ende durchzuziehen hat für mich gut gepasst. Jetzt zieht es mich wieder weiter. Weihnachten werde ich noch in Hamburg verbringen, danach vielleicht Richtung Süden. Zwei Freunde sind gerade in Sizilien, das bin ich schon etwas neidisch.

Danke, Rosi, für die super Arbeit und die angenehme Nachbarschaft.
Dir weiter eine fixe Tippelei  – und vielleicht sehen wir uns ja wieder, uns würde es freuen.

Name
Rosalie (Rosi)

Beruf
Tischlerin

Das Werkstattbuch gibt Einblicke in die Arbeiten der Tischlerei Bereuter und hirnholz.at.

hirnholz
info@hirnholz.at
hirnholz.at
Tischlerei Bereuter
buero@tischlerei​bereuter.at
tischlereibereuter.at

Tisch D7

Zum Verlieben schön muten die Details des D7 Tisches an.

Abmessungen (mm):
B 3200 × T 1000 × H 755

Entwurf:
Klemens Grund, 2019
klemensgrund.de

Material:
Eiche oder Nussbaum
massiv und furniert, Messing

Produktionspartner:
Gerola Metalltechnik,
Langenegg

Seit 2019 verfolgten Martin Bereuter und Klemens Grund die Idee, in der Formensprache der Stühle D7 und D7K, die erstmals 2012 vorgestellt wurden, einen passenden Tisch zu entwerfen. Nun ist es soweit.

Neben seinem leichten Gewicht zeichnet sich der Tisch D7 durch eine besondere kommunikative Dimension aus. Der mittige Knick in der Längskante lädt ein, diesen als Drehpunkt zu nehmen und auch das Gespräch mit den seitlich sitzenden Nachbarn zu suchen – ähnlich einem runden oder ovalen Tisch. Die liebevollen Details, wie die besondere Ausarbeitung der Tischkanten oder die maßgefertigten Messingbeschläge, lassen das Betrachterherz höherschlagen. Ein haptisches Erlebnis vom Feinsten – und praktisch noch dazu.

Made by
hirnholz.at